“Da kommt noch was!” Enya Steinbrecher aus Reute hat mit gerade mal 18 Jahren ihren ersten Roman veröffentlicht – den sie mit 15 geschrieben hat.

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Enya Steinbrecher mit einem Exemplar ihres im Dezember erschienenen Jugendromans „Lightning Pioneer“. Foto: Sylvia-Karina Jahn

REUTE. Wenn Enya Steinbrecher von der Schule kommt, setzt sie sich an den Computer. Das ist nicht ungewöhnlich. Aber sie tut es nicht, um im Internet zu surfen oder zu chatten: Die 18-Jährige schreibt. Und das ist schon seltener, obwohl es, wie sie sagt, viele ihrer Freundinnen tun – nur nicht so ausdauernd. Zehn Bücher hat Enya schon geschrieben: “Ich schreibe sehr schnell.” Eines davon kann man jetzt kaufen, den Jugendroman “Lightning Pioneer”; er ist im Roman Verlag erschienen und nach dem Books-on-demand-Prinzip zu haben.

Schon im Alter von sechs Jahren hat sie angefangen, sich eigene Geschichten auszudenken, erzählt Enya Steinbrecher. Richtig geschrieben habe sie damals noch nicht, aber sie malte Bilder und schrieb dazu, um was es ging. Mit zwölf wurde es ernst: Inzwischen am Albert-Schweitzer-Gymnasium in Gundelfingen, beteiligte sie sich mit einer Fantasy-Trilogie am Schreibwettbewerb der Schule und landete auf einem der vorderen Plätze. Bald darauf versuchte sie, ihre Werke zu vermarkten. Doch etliche Verlage winkten ab – oder wollten einen satten Druckkostenzuschuss. Reine Internetveröffentlichungen wiederum sind ihr zu wenig: “Ich finde es gedruckt schöner”, sagt sie, “ich habe auch gar keinen E-Book-Reader.” Allerdings hat sie einiges auf verschiedenen Plattformen veröffentlicht.

Ihre Themenpalette ist groß: Der Fantasy folgten Real-Life-Storys, Kurzgeschichten für Blogs ihrer Freundinnen, ein Drama im Science-Fiction-Stil, für das sie sich von Filmen inspirieren ließ, und ein historischer Roman, der im 12. Jahrhundert, zur Zeit des dritten Kreuzzuges, spielt. Dafür hat Enya viel recherchiert, mit Unterstützung ihres Geschichtslehrers und des Deutschlehrers. Doch auch dieses Buch ruht noch in der Schublade.

Lightning Pioneer” hat sie schon im Alter von 15 Jahren geschrieben; drei Monate habe sie schätzungsweise dafür gebraucht, sagt sie. Sie fand es noch immer gut, ihre Mutter auch, und schon vom zweiten Verlag bekam sie die Zusage.

Der Jugendroman erzählt die Geschichte einer jungen Liebe zwischen Mitgliedern verschiedener Gangs und zugleich die einer turbulenten Patchworkfamilie: Acht Geschwister von acht verschiedenen Vätern, die Mutter ständig unterwegs für Jobs, die Kinder bleiben unter Obhut der Ältesten in Chicago – dabei ist diese Emily selbst grade mal 15. “Ich wollte etwas mit Kindern schreiben, über deren Probleme, nichts Politisches und nichts von Erwachsenen”, erinnert sich Enya. Vorbild für die quirlige Großfamilie war ihre Nachbarschaft, in der acht Kinder leben, Enyas Schwester und sie selbst eingeschlossen. Vielleicht wirken ihre Personen deshalb so lebendig. “Ich wollte ihnen ein eigenes Gesicht geben”, sagt sie, “aber ich glaube, wer die Kinder kennt, kann sie in den jüngeren Geschwistern wiedererkennen.”

In Reute sollte die Geschichte nicht spielen, zumal Enya eine Vorliebe für englische Namen hat und Bücher mag, die in Amerika spielen. Etliche zu dem Thema hatte sie im Vorfeld gelesen. Dass Chicago Schauplatz des Romans wurde, sei eher Zufall, erklärt sie. Es ist eine spannende Geschichte; denn ihre Protagonistin ist Mitglied einer Gang, um ihre Geschwister eben davor zu schützen. Und dann verliebt sie sich ausgerechnet in einen der “Anderen”. Ein Krimi ist es aber nicht: “Sowas könnte ich nicht schreiben”, sagt Enya, “ich lese es zwar gern, aber das muss man zu stark strukturieren, und meine Geschichten entwickeln sich beim Schreiben.” So wisse sie am Anfang noch nicht, wie viele Personen in dem Roman auftreten werden.

Handschriftliche Notizen macht sie sich nicht, “ich kann ja manchmal meine eigene Schrift nicht lesen”, sagt sie lachend. Aber gute Ideen merkt sie sich und bringt sie in die nächste Geschichte ein – oder auch nicht, wenn es nicht passt. Jedenfalls: “Da kommt noch was”, verrät sie.

Aber nun ist erst mal das Abitur dran. Und danach? Enya Steinbrecher hat sich für ein freiwilliges kulturelles Jahr beworben, mit den Schwerpunkten Malen, Singen, Schreiben und Theater. Theater und Literatur sind denn auch ihr Lieblingsfach – “in Naturwissenschaften bin ich nicht so begabt.” Sie ist in der Theater-AG der Schule aktiv, wirkte in Musicals mit, nimmt Gesangsunterricht und malt (“zum Ausgleich – und meist nach Filmen”). Sie treibt aber auch viel Sport: Boxen (wie ihre Protagonistin in “Lightning Pioneer”), Bogenschießen, Fußball fürs Sportabi… Nur fürs Reiten bleibt im Moment keine Zeit, bedauert sie.

Direkte schriftstellerische Vorbilder hat sie nicht: “Ich möchte meinen Schreibstil behalten – er gefällt mir.” Aber es gibt schon “Bücher, die mich inspiriert haben”: Eragon, Tribute von Panem, der Herr der Ringe und Game of Thrones, etliches von Shakespeare sowie Schillers “Räuber”.

“Lightning Pioneer” von Enya Steinbrecher gibt es über Amazon (über Name des Buches und der Autorin; 10,99 Euro) gedruckt sowie als E-Book.

Quelle: Badische Zeitung (http://www.badische-zeitung.de/reute/da-kommt-noch-was-x1x–101136236.html)

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