
Seit ihrem zwölften Lebensjahr schreibt Enya Steinbrecher Geschichten. Ihr erster Roman “Lightning Pioneer”, den die heute 18-Jährige vor drei Jahren geschrieben hat, wurde vor kurzem veröffentlicht. Am kommenden Freitag, 2. Oktober, stellt ihn die ehemalige Schülerin des Albert-Schweitzer-Gymnasiums um 20 Uhr im Rahmen einer Lesung in der Gundelfinger Mediathek vor. Neben Steinbrecher wird auch Nachwuchsautor Jonathan Löffelbein an diesem Abend lesen. Über ihren Debütroman hat BZ-Mitarbeit erin Anna Maria Schüler mit Enya Steinbrecher gesprochen.
BZ: In Ihrem Roman geht es um zwei Teenager, die sich in verfeindeten Jugendgangs engagieren – und sich verlieben. Ein bisschen Romeo und Julia also?
Steinbrecher: Ja, das kann man wohl so sagen. Der Verlag hat meine Geschichte dem Genre Romantikthriller zugeordnet.
BZ: Woher kam die Idee zu diesem Buch?
Steinbrecher: Woher genau die Idee kam, kann ich im Nachhinein nicht mehr sagen. Ich hatte zu dieser Zeit einige Bücher über Jugendgangs gelesen und auch im Englischunterricht waren solche Gruppen Thema.
BZ: Ihre Protagonistin Emily hat sieben Geschwister. Wie viele haben Sie?
Steinbrecher: Ich habe eine Schwester. Die vielen Geschwister wurden Teil der Geschichte, da ich anfangs das Hauptaugenmerk auf den familiären Aspekt legen wollte. Die Liebesgeschichte kam etwas später eher ungeplant hinzu.
BZ: Ort des Geschehens in Ihrem Roman ist Chicago. Waren Sie schon dort?
Steinbrecher: Nein, ich war leider noch nie in Amerika. Die Handlung spielt aber dort, weil Gangs in den USA ein größeres Thema sind als hier bei uns.
BZ: Warum haben Sie drei Jahre gewartet, bevor Sie Ihre Geschichte veröffentlicht haben?
Steinbrecher: In erster Linie, weil ich anfangs nur für mich geschrieben hatte. Als ich später bei unserem schulischen Schreibwettbewerb “Schreibweisen” das Buch eingereicht und einen Preis gewonnen habe, habe ich mir Gedanken über eine Veröffentlichung gemacht. Zuvor hatte ich schon einige Male versucht, ein anderes Manuskript zu veröffentlichen, fand aber keinen Verlag, der keinen Druckkostenzuschlag verlangte. Meine Mutter empfahl mir deshalb, es mit einem neuen Projekt zu versuchen.
BZ: Wie ging es weiter?
Steinbrecher: Bis ein Verlag ein Manuskript gesichtet hat, braucht es etwas Zeit. Ein Dreivierteljahr dauerte die Bearbeitungsphase, in der alles Nötige für eine Veröffentlichung in die Wege geleitet wurde.
BZ: Haben Ihre Mitschüler Sie auf Ihre Veröffentlichung angesprochen?
Steinbrecher: In der Schule wurde ich selten angesprochen und wenn, dann eher von Lehrern. Viele Mitschüler erwähnten das vielleicht einmal in einem Nebensatz, kamen aber nie direkt auf mich zu. Häufiger kam es vor, dass meine Eltern von Freunden und Bekannten darauf angesprochen wurden. Das liegt sicherlich auch daran, dass meine Altersgruppe kaum Zeitung liest und Bekannte von meinem Buch hauptsächlich über Soziale Medien erfahren hat.
BZ: Und jetzt, da Sie nicht mehr zur Schule gehen?
Steinbrecher: Ich absolviere gerade ein Freiwilliges Soziales Jahr im Krankenhaus und werde immer häufiger angesprochen. Manche Leute kennen mich tatsächlich aus der Zeitung.
BZ: Wie haben Sie sich gefühlt, als Ihr Buch veröffentlicht wurde?
Steinbrecher: Das ist natürlich ein ganz besonderer Moment. Das Päckchen mit den Büchern lag eines Tages bei mir zu Hause auf dem Tisch und mein Vater hat sogar gefilmt, als ich es ausgepackt habe. Zuerst war ich überrascht, wie dick das Buch tatsächlich geworden ist. Dann freute ich mich natürlich, denn da stand mein Name auf dem Cover, was ja nicht alle Tage vorkommt. Man ist natürlich unglaublich stolz und freut sich. Immerhin ist es eine Sache, zu wissen, dass Freunde, Eltern und vielleicht auch Lehrer das, was man zu Papier bringt, als gut empfinden und zu würdigen wissen. Aber dass ein Verlag das finanzielle Risiko einer Veröffentlichung auf sich nimmt und dass Menschen, die wirklich Ahnung haben, sich die Mühe machen, den eigenen Roman zu veröffentlichen, verleiht einem noch einmal ein ganz besonderes Glücksgefühl.
BZ: Planen Sie in nächster Zeit weitere Bücher?
Steinbrecher: Ein weiteres Manuskript ist bereits auf dem Weg zu einigen Verlagen und es liegen noch viele unveröffentlichte Werke bei mir zu Hause. Ob jedes davon veröffentlicht wird, ist fraglich, da viele Texte schon älter sind und ich selbst gemerkt habe, wie ich mich in den vergangenen Jahren, was das Schreiben angeht, weiterentwickelt habe.
BZ: Möchten Sie später hauptberuflich als Autorin arbeiten?
Steinbrecher: Schön wäre das natürlich schon, aber Literatur und Schauspiel – mein weiteres Hobby – sind wohl eher brotlose Künste, die kein verlässliches Einkommen garantieren. Deshalb denke ich darüber nach, eine Ausbildung im medizinischen Bereich zu absolvieren und später vielleicht Medizin zu studieren.

